Solaranlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und E-Autos machen Millionen Haushalte zu aktiven Teilnehmern des Energiesystems. Damit entstehen neue Möglichkeiten für Flexibilität, Vermarktung und intelligente Steuerung. Gleichzeitig wächst jedoch die Komplexität hinter den Produkten.
Die meisten Menschen möchten sich nicht mit Marktwerten, Preisprofilen oder Vermarktungsstrategien beschäftigen. Sie möchten verstehen, welchen Nutzen ihnen ihre Investition bringt und worauf sie sich verlassen können. Genau deshalb werden einfache, verständliche Energieprodukte immer wichtiger.
Aktuelle Marktangebote zeigen, wohin die Entwicklung gehen könnte: Statt Haushalte mit komplizierten Erlösmodellen zu konfrontieren, setzen einige Anbieter auf klar kommunizierte Boni oder andere planbare Vergütungsmechanismen. Das Grundprinzip dahinter ist einfach: Die Komplexität übernimmt der Anbieter, während Kund:innen eine nachvollziehbare Gegenleistung erhalten.
Wir bei Hansen Technologies glauben, dass solche Modelle künftig eine wichtige Rolle spielen werden. Denn einfache Produkte können mehr Menschen dafür gewinnen, ihre Solaranlage, ihren Speicher oder ihr E-Auto ins Energiesystem einzubinden oder überhaupt erst anzuschaffen.
Dieser Ansatz gewinnt nicht nur aus Kundensicht an Bedeutung. Auch die regulatorischen Veränderungen der kommenden Jahre erhöhen den Druck, verständliche und wirtschaftlich attraktive Produktmodelle zu entwickeln.
Mit dem EEG 2027 bekommt der Vertrieb eine neue Aufgabe
Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 sieht vor, die klassische Einspeisevergütung für Neuanlagen schrittweise abzulösen. Für neue Anlagen unter 25 Kilowatt soll grundsätzlich auch die Marktprämie wegfallen. Eine befristete Übergangszahlung soll den Wechsel erleichtern. Für Inbetriebnahmen im Jahr 2027 ist sie bei Anlagen unter 50 Kilowatt vorgesehen, grundsätzlich bis zum Ende des 36. Monats nach dem Inbetriebnahmemonat. Hinzu kommt der geplante Bonus nach § 50c: Anlagen unter 25 Kilowatt, die die Voraussetzungen erfüllen, sollen in der sonstigen Direktvermarktung 1,5 ct/kWh erhalten. Der Anspruch läuft grundsätzlich längstens bis zum Ende des 48. Monats nach dem ersten Eintritt in die Direktvermarktung. Noch handelt es sich dabei um einen Gesetzesentwurf.
Den staatlichen Bonus darf man nicht einfach zum angekündigten Bonus des Versorgers addieren. Bisher ist offen, ob er zusätzlich ausgezahlt oder bereits in das Angebot eingerechnet würde.
Unabhängig von den konkreten Ausgestaltungsdetails wird deutlich, wohin die Entwicklung geht: Wenn die langfristige staatliche Absicherung für neue Kleinanlagen zurückgeht, brauchen Haushalte überzeugende Angebote für die Vermarktung ihres Stroms. Wer übernimmt die Komplexität? Wer macht den Nutzen planbar? Und wie lassen sich wirtschaftliche Chancen verständlich kommunizieren?
Diese Fragen stellen Energievertriebe vor neue Herausforderungen. Erste Marktangebote liefern bereits Hinweise darauf, wie solche Produkte künftig aussehen könnten: Sie stellen den Kundennutzen in den Vordergrund, ohne die wirtschaftliche Realität aus dem Blick zu verlieren.
Was Solarstrom tatsächlich wert ist

Dabei müssen sich einfache Vergütungsmodelle, die einen festen Bonus versprechen, an den tatsächlichen Marktwerten messen lassen. Für Mai weist die Plattform Netztransparenz einen korrigierten Solar-Marktwert von 3,296 ct/kWh aus. Im August 2026 lag der veröffentlichte Marktwert Solar bei 6,359 ct/kWh, im Juli bei 5,226 ct/kWh. Der allgemeine Spotmarktpreis lag im August bei 12,689 ct/kWh. Solarstrom liegt also gerade bei etwa der Hälfte dieses Preisniveaus.
Pauschal mit einem festen Cent-Betrag zu rechnen, greift deshalb ebenso zu kurz wie die Hochrechnung einzelner guter Monate aufs ganze Jahr. Der Marktwert Solar bildet ab, welchen Wert Solarstrom tatsächlich zu dem Zeitpunkten hat, an denen er erzeugt wird. Was letztlich bei einem Haushalt ankommt, hängt zudem vom individuellen Einspeiseprofil, vom Vertragsmodell sowie von Eigenverbrauch und Speicherbetrieb ab. Dazu kommen die Kosten der Vermarktung. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welcher Erlös theoretisch erreichbar wäre, sondern welcher Mehrwert tatsächlich entsteht.
Ein einfaches Beispiel: Bei 3.000 kWh Einspeisung im Jahr bringt ein zusätzlicher Cent pro Kilowattstunde gerade einmal 30 Euro Mehrerlös. Drei Cent mehr entsprechen 90 Euro. Ob sich dafür ein anderes Modell lohnt, hängt auch von Gebühren, Aufwand und Unsicherheit ab. Ein fairer Vergleich macht sichtbar,was ein Haushalt für mehr Planbarkeit möglicherweise aufgibt oder gewinnt.
Auch Genauigkeit hat einen Preis
Für Lieferanten und Direktvermarkter beginnt diese Abwägung bereits im Antragsprozess. Dachausrichtung, Verschattung, Lastprofil und Speichernutzung helfen, Erträge genauer zu prognostizieren. Doch jede zusätzliche Information muss zunächst vom Interessenten bereitgestellt werden. Das bedeutet Aufwand. Unterlagen müssen gesucht, technische Daten recherchiert und Fragen beantwortet werden. Jeder zusätzliche Schritt kann Reibung erzeugen und potenzielle Kund:innen vom Abschluss abhalten.
Mehr Informationen verbessern zwar die Kalkulation. Sie machen den Abschlussprozess aber auch aufwendiger. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viel zusätzliche Genauigkeit rechtfertigt den zusätzlichen Aufwand für Interessenten und Anbieter? Eine präzisere Prognose kann am Ende weniger wert sein, wenn dadurch zu viele potenzielle Kund:innen auf dem Weg zum Vertragsabschluss verloren gehen.
Deshalb können pauschale Bonusmodelle sich durchaus rechnen. Dafür braucht es klare Teilnahmebedingungen, eine belastbare Kalkulation für die Zielgruppe und den laufenden Blick aufs Portfolio. Unterschiede zwischen einzelnen Haushalten können sich teilweise ausgleichen. Die Frage bleibt: Wie viel zusätzliche Genauigkeit ist den entstehenden Aufwand tatsächlich wert?
Der Anbieter optimiert und Kund:innen behalten den Überblick
Ein fester Bonus lässt Raum für eine Steuerung, die auf Marktpreise reagiert. Der Lieferant verfolgt die Preise und steuert Geräte innerhalb der vertraglich vereinbarten Grenzen. Der Haushalt erhält eine verständliche und planbare Vergütung. Damit das funktioniert, müssen die Geräte tatsächlich steuerbar sein. Ebenso wichtig sind transparente Vertragsbedingungen, die klar definieren, wann und in welchem Umfang Eingriffe möglich sind.
Zur Gesamtkalkulation gehören deshalb nicht nur potenzielle Vermarktungserlöse, sondern auch Vorteile aus flexibler Beschaffung und kontinuierlicher Optimierung. Dem gegenüber stehen Kosten für Boni, Messung, Vermarktung und Betrieb. Auch Akquisitions- und Bindungseffekte spielen eine Rolle.
Warum wir bei Hansen Technolgies an einfache Bonusmodelle glauben

Wir bei Hansen Technologies glauben, dass verständliche Stellvertretergrößen, sogenannte Proxys, künftig an Bedeutung gewinnen werden. Installierte Kilowattpeak stehen für die Größe einer Solaranlage. Einsteckstunden zeigen, wie lange ein E-Auto angeschlossen ist und potenziell für gesteuertes Laden zur Verfügung steht. Daraus lassen sich Bonusmodelle entwickeln, deren Mechanik und Nutzen Kund:innen bereits vor dem Vertragsabschluss verstehen können.
Beim E-Auto könnte das beispielsweise so aussehen: Wer sein Fahrzeug regelmäßig in vereinbarten Zeitfenstern anschließt und die Ladesteuerung freigibt, erhält einen Bonus. Kund:innen schaffen damit zeitliche Flexibilität. Der Anbieter kann das Laden entsprechend der Marktpreise und des vereinbarten Ladeziels optimieren.
Bei Solarstrom können installierte Kilowattpeaks die Basis eines Einspeisebonus bilden. So braucht es im Antrag keine individuelle Prognose der Vermarktungserlöse für jedes Dach.
Wichtig ist dabei, dass der gewählte Proxy tatsächlich zum Beitrag des Flexumer-Assets passt. Ein angeschlossenes Auto schafft nur dann Flexibilität, wenn es tatsächlich steuerbar ist und Energie benötigt. Installierte Kilowattpeaks sagen etwas über das Erzeugungspotenzial einer Anlage, garantieren aber keinen konkreten Einspeiseertrag. Gute Produktregeln berücksichtigen diese Zusammenhänge. Die ersten Marktangebote dieser Art zeigen aus unserer Sicht die richtige Richtung. Wenn Menschen verstehen, was sie bekommen und was sie dafür tun müssen, steigt die Bereitschaft, Teil eines flexiblen Energiesystems zu werden.
Für uns ist genau das der Schlüssel zur Energiewende im Massenmarkt: Die Komplexität des Energiesystems zu beherrschen, damit Kund:innen von seiner Einfachheit profitieren können.
Die Zukunft flexibler Energiesysteme entscheidet sich nicht allein an Märkten, Algorithmen oder regulatorischen Rahmenbedingungen. Sie entscheidet sich auch daran, ob Menschen die angebotenen Produkte verstehen und ihnen vertrauen. Bonusmodelle auf Basis geeigneter Proxys können dazu beitragen, mehr Solaranlagen, Speicher und E-Autos in das Energiesystem zu integrieren und die Energiewende weiter voranzubringen.